Der historische Rückgang des Euro gegenüber dem albanischen Lek sorgt auch auf dem albanischen Immobilienmarkt für eine interessante Wahrnehmung. Heute ist die europäische Währung auf rund 95,3 Lek gefallen – den niedrigsten Stand, der jemals im offiziellen Wechselkurs verzeichnet wurde. Verglichen mit vor einigen Jahren, als der Euro noch über 140 Lek gehandelt wurde, ist der Unterschied erheblich und wirkt sich direkt auf Haushalte, Investitionen und den Wohnungsmarkt aus. Auf den ersten Blick glauben viele Menschen, dass die Immobilienpreise in den letzten Jahren drastisch gestiegen sind. Berücksichtigt man jedoch die Abwertung des Euro und die Stärkung des Lek, erscheint der reale Preisanstieg deutlich moderater. Im Jahr 2018 lag der Wechselkurs bei etwa 132–134 Lek für 1 Euro. Heute wird der Euro bei rund 95 Lek gehandelt. Das bedeutet, dass die europäische Währung in den letzten 7–8 Jahren etwa 28–30 % ihres Wertes gegenüber dem Lek verloren hat. Um die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt besser zu verstehen, nehmen wir ein konkretes Beispiel: Im Jahr 2018 konnte eine Wohnung in Tirana etwa 100.000 Euro kosten. Zum damaligen Wechselkurs entsprach dies ungefähr 13,3 Millionen Lek. Heute könnte dieselbe Wohnung für etwa 150.000 Euro verkauft werden. Auf den ersten Blick scheint der Preis also um 50 % gestiegen zu sein. Beim aktuellen Wechselkurs von rund 95 Lek pro Euro beträgt der reale Wert jedoch nur etwa 14,2 Millionen Lek. Das bedeutet: In Euro: Der Anstieg wirkt wie +50 % In Lek: Der reale Anstieg liegt nur bei etwa +7 % bis +10 % Dies zeigt, dass ein großer Teil des „Preisanstiegs“ tatsächlich auf die Abwertung des Euro zurückzuführen ist und nicht ausschließlich auf eine reale Verteuerung der Immobilien. In einigen Premiumlagen von Tirana und an der albanischen Küste sind die Preise aufgrund hoher Nachfrage, des Tourismus und ausländischer Investitionen tatsächlich gestiegen. In einem großen Teil des Wohnimmobilienmarktes ist der Unterschied jedoch nicht so extrem, wie es beim Blick auf die Preise in Euro erscheint. Die Stärkung des Lek hat dazu geführt, dass: Bürger, die in Lek bezahlt werden, eine höhere Kaufkraft für in Euro gelistete Immobilien haben; Immobilienkredite in Euro relativ leichter tragbar geworden sind; während Investoren mit Ersparnissen in Euro einen Rückgang ihrer realen Kaufkraft auf dem lokalen Markt erleben. Aus einer breiteren Perspektive betrachtet können die steigenden Wohnungspreise in Albanien nicht allein anhand der Eurobeträge analysiert werden. Berücksichtigt man die starke Abwertung des Euro in den letzten Jahren, wird deutlich, dass der reale Anstieg vieler Immobilienpreise deutlich geringer war und in einigen Fällen der reale Unterschied in Lek im Vergleich zur öffentlichen Wahrnehmung minimal ist.