Der Bausektor in Albanien
tritt in eine neue Phase ein. Mit den jüngsten Änderungen der VKM Nr. 408/2015
„Zur Genehmigung der Verordnung für die Raumentwicklung“ wurden neue Verfahren
eingeführt, die direkt Entwickler, Investoren, öffentliche Institutionen und
den Immobilienmarkt betreffen.
Die Änderungen zielen
darauf ab, einige Verwaltungsprozesse zu vereinfachen, die Kontrolle über
laufende Projekte zu erhöhen und mehr Klarheit über Genehmigungen, Baueinheiten
und Phasen der Projektdurchführung zu schaffen.
Nachfolgend sind einige
der wichtigsten Änderungen aufgeführt, die durch die neue Verordnung eingeführt
wurden:
Mehr
Arbeiten ohne Genehmigung
Die Liste der Arbeiten,
die keine Genehmigung der zuständigen Behörden erfordern, wurde erweitert. Dazu
gehören nun auch temporäre geodätische Bohrungen, sofern sie für einen Zeitraum
von bis zu zwei Wochen durchgeführt werden. Diese Änderung soll die Vorbereitungs-
und Planungsphasen erleichtern.
Die KKTU
erhält eine stärkere Rolle
Eine der bedeutendsten
Änderungen betrifft die Erweiterung der Kompetenzen des Nationalen Rates für
Territorium und Wasser (KKTU). Die Institution erhält mehr Befugnisse in Bezug
auf Projektänderungen während der Bauphase, die Überprüfung von Entwicklungsbedingungen,
die Genehmigung temporärer Baugenehmigungen sowie die Erteilung von
Dienstbarkeiten auf staatlichem oder öffentlichem Eigentum.
Darüber hinaus kann die
KKTU öffentliche Funktionen in Projekten verlangen, wie Schulen, Kindergärten,
Gesundheitszentren oder notwendige Infrastruktur für die Gemeinschaft.
Eine weitere wichtige
Neuerung für Entwickler ist, dass für alle Projekte unter Zuständigkeit der
KKTU nach Erteilung der Baugenehmigung die Entwickler beim technischen
Sekretariat eine schriftliche Genehmigung für die Einzäunung des Grundstücks
oder der Grundstücke mit leichten, demontierbaren Strukturen beantragen können.
Diese Änderung schafft mehr Flexibilität bei der Verwaltung und Sicherung der
Baustelle bereits in frühen Projektphasen.
Vereinfachung
öffentlicher Investitionen
Für öffentliche Projekte
wurde die einzureichende Dokumentation vereinfacht, insbesondere in Fällen, in
denen Grundstücke noch nicht vollständig registriert sind. Ziel ist es,
öffentliche Investitionen und Infrastrukturprojekte zu beschleunigen.
Neue
Einschränkungen beim Entwicklerwechsel
Der Wechsel des
Entwicklers ist nicht in jeder Projektphase zulässig. Er ist nur nach
Fertigstellung der Fundamente (Nullniveau) erlaubt.
Auch die Hinzufügung eines
neuen Begünstigten gilt als Entwicklerwechsel, wodurch der Prozess stärker
kontrolliert und transparenter wird.
Änderungen
bei Baugenehmigungen
Die Voraussetzung, dass
Infrastruktur bereits vor der Erteilung einer Baugenehmigung vorhanden sein
muss, wurde abgeschafft.
Gleichzeitig können für
KKTU-Projekte mehrere Baugenehmigungen innerhalb desselben Projekts erteilt
werden, was größere Flexibilität ermöglicht.
Weniger
Verfahren für kleine Änderungen während des Baus
Das KKTU-Sekretariat kann
über die AZHT Änderungen bis zu 2 % der Baufläche genehmigen, ohne dass die
Angelegenheit im KKTU-Gremium behandelt werden muss, sofern die Fassade nicht
betroffen ist.
Dies soll die
Bearbeitungszeit verkürzen und die Bürokratie reduzieren.
Erfassung
der Baueinheiten wird essenziell
Projekte müssen Wohnungen,
Geschäftseinheiten, Büros und alle weiteren funktionalen Räume klar ausweisen.
Änderungen während der Bauphase müssen bei der ASHK und der Nationalen
Notarkammer registriert werden.
Einführung
des Rohbauzertifikats
Zum ersten Mal wird ein
Zertifikat für die Rohbauphase eingeführt, das nach Abschluss dieser Bauphase
ausgestellt werden kann.
Strukturierte
Baustellenkontrollen
Die Kontrollen erfolgen in
klar definierten Phasen: Absteckung, Fundamente, Rohbau, Installationen sowie
Fassaden und Außenanlagen.
Die Gemeinden sind
verpflichtet, physische Kontrollen in jeder dieser Phasen durchzuführen.
Lösung
für alte, unvollendete Baugenehmigungen
Für Projekte, die länger
als fünf Jahre unvollendet geblieben sind, wird ein spezielles Verfahren zur
Verlängerung der Baugenehmigung eingeführt.
Wenn Entwickler keine
Verlängerung beantragen, können Maßnahmen gemäß geltender Gesetzgebung
eingeleitet werden, einschließlich Enteignungsverfahren.
Mehr
Projekte unter Zuständigkeit der KKTU
Touristische, industrielle
und kulturelle Projekte fallen unabhängig von ihrer Größe oder Lage unter die
Zuständigkeit der KKTU.
Diese Änderung kann die
Entwicklung strategischer Projekte und national wichtiger Investitionen
erheblich beeinflussen.
Was
passiert mit den Abständen zwischen Gebäuden?
Die Mindestabstände
zwischen Gebäuden bleiben unverändert und entsprechen weiterhin den
Vorschriften.
Allerdings wurde eine
wichtige Bestimmung gestrichen, die vorsah, dass bei fehlender Einigung
automatisch die Standardabstände angewendet werden.
Mit der neuen Änderung
sind die Behörden nicht mehr verpflichtet, diese Abstände automatisch
anzuwenden. Stattdessen können sie die städtebauliche Planung, die
Entwicklungsbedingungen und die spezifischen Merkmale des Projekts
berücksichtigen.
In der Praxis bedeutet
dies, dass zwei ähnliche Projekte unterschiedlich behandelt werden können, da
die Entscheidung stärker von den lokalen Vorschriften und Plänen der jeweiligen
Zone abhängt.
Zusammenfassend stellen
die neuen Änderungen der Verordnung zur Raumentwicklung eine der bedeutendsten
Reformen der letzten Jahre im Bausektor dar. Sie betreffen nahezu jede Phase
eines Projekts – von der Vorplanung über die Genehmigung bis hin zur Baukontrolle,
Einheitenidentifikation und Fertigstellung des Gebäudes.
Für Investoren, Entwickler
und Immobilienkäufer ist das Verständnis dieser neuen Regeln entscheidend, um
die zukünftige Entwicklung des Bau- und Immobilienmarktes in Albanien besser zu
verstehen.